Wilhelm Wolpert begeistert in Großwenkheim

Der bekannte Mundartdichter Wilhelm Wolpert aus Haßfurt gastierte erstmals in Großwenkheim. Mit seinen Gschichtli und Gedichtli vo Fränkische Frecker sorgte er für einen unterhaltsamen Abend im vollbesetzten ehemaligen Schützenhaus, dem neuen Domizil des gastgebenden FC Bayern Fanclubs Großwenkheim. Wilhelm Wolpert hat bereits nach dem zweiten Satz den Kontakt zum Publikum hergestellt und mit seiner ruhigen, lockeren Art ohne vielfältige Requisiten und ausladenden Gesten bringt er das Publikum bei jedem Gedicht und jeder Geschichte zum Lachen und so manche Lachtränen kullerten bei Besuchern aus den Augen.

Wolpert verfasst alle seine fröhlichen, hintersinnigen und respektlosen Stücke und Lieder, selbst in ostunterfränkischer Mundart und besitzt reiche Bühnenerfahrung. 32 Jahre war er Mitglied im weithin bekannten Hasen-Terzett, das sich im Jahre 2000 auflöste. Für Wolpert aber kein Grund mit dem Schreiben und Komponieren aufzuhören. Er tritt seitdem alleine auf. „So lange ich gesund bin, möchte ich die Leute unterhalten“, sagt der inzwischen 80-jährige Unterfranke aus Leidenschaft. Er wurde für seine Werke mit dem Frankenwürfel, quasi dem fränkischen Nobel-Preis, ausgezeichnet. Frisch, fröhlich, frech, fränkisch sind die Adjektive, die sowohl auf die Texte als auch auf den Vortrag zutreffen. Wolpert hat in seinem Leben viele Mitmenschen akribisch genau beobachtet und ihr Verhalten aufgeschrieben. „Ich war beruflich viel im Auto unterwegs und da habe ich viele Inhalte für die Gedichte und Geschichten gesehen und notiert. Da hatte ich ja Zeit zum Nachdenken“; sagt Wolpert, der auch Erzählungen von Bekannten aufgegriffen hat. Bei den Texten müssen die Besucher immer wieder schmunzeln, da die Inhalte der Lebensrealität entsprechen und keine Fantasiegebilde sind. Aus den zahlreichen Veröffentlichungen musste Wolpert sich auf eine kleine Themenauswahl beschränken. Immer aber menschelt es vor allem zwischen dem Mann, dem fränkischen Moo, und der Frau, der fränkischen Fraa bis ins hohe Lebensalter und Lebensende. „Mir Männer wissn, was mer mitmachng kaa. So ä Fraa, die iss teuer – aber mer hat aa lang draa“, meint Wolpert. Der fränkische Moo hat vielfältige Vorzüge, wie Schönheit, Tapferkeit, Kraft, ist ein Kavalier und Kaufmann. „Am fränkischen Moo ist halt was droo!“ Wenn ein Mann als „Frecker“ bezeichnet wird, ist das kein Schimpfwort, sondern das größte Kompliment für ein fränkisches Schlitzohr. In Franken gibt es aber auch das weibliche Gegenstück dazu, die Freckera  oder Freckerin. Dass die Franken besonders fromm sind, wird in der „fromme Franke“ mit zahlreichen lustigen Episoden, etwa bei der Kreuzberg-Wallfahrt, dem Schlafen in der Kirche oder bei der Visitation durch den Bischof, verdeutlicht. Auch den „kranken Franken“ lässt Wolpert nicht aus, ebenso wie Verwirrungen beim gemeinsamen Einkaufen von Frau und Mann, beim Verwechseln der Festrede durch einen Lokalpolitiker. Unkompliziert und nicht geprobt sind die Zwischentexte mit eigenen Erlebnissen. Der Beginn der drei Leseteile wird von einer Glocke, die Wolpert aus Albanien mitgebracht hat, eingeläutet. Im „Finale furioso“ richtet der Haßfurter den Blick auf die Senioren mit ihrer Vergesslichkeit und anderen altersbedingten Eigenschaften. Damit es bei der Beerdigung der Oma fränkische Spezialitäten und nicht etwa etwas Südländisches gibt, hat die Oma, a Freckera, bereits zu Lebzeiten vorgekocht. Senioren, die noch einmal heiraten, lassen ihren Hochzeitstisch in der Apotheke aufbauen. Das sind nur einige Beispiele aus dem neuen Büchlein von Wilhelm Wolpert „Mei Oma und mei Opa.“ Erst nach einigen Zugaben durfte Wolpert, der als Weinfranke natürlich den Silvaner bevorzugt, die imaginäre Bühne verlassen.    

Foto (Anton Then): Wilhelm Wolpert begeisterte mit seinen Gedichtli und Geschichtli in Großwenkheim.